11.06.2010 11:27 Alter: 2 yrs

Die richtige Begrüßung

Kategorie: Stil u. Etikette

Um sich sowohl auf der geschäftlichen Ebene als auch auf dem gesellschaftlichen Parkett stilsicher zu bewegen, spielt die richtige Begrüßung eine nicht unbedeutende Rolle. Das einwandfreie Entree kann den ersten Eindruck positiv beeinflussen und bildet einen der wichtigen Träger eines korrekten Erscheinungsbildes. Grundsätzlich gilt die Regel, dass derjenige, der kommt, dem oder den bereits Anwesenden die Hand zur Begrüßung reicht. Die gereichte offene Hand demonstriert dem Gegenüber die Bereitschaft zum friedlichen Dialog. Der Handschlag bestärkte bereits im antiken Rom und Griechenland als Rechtsgeste Friedens- und Kaufverträge und markierte oft das Ende eines kriegerischen Handels. Als Zeichen von „fides“ (lat. Treue) und „concordia“ (Verbundenheit) hat sich die Begrüßung per Handschlag als Auftakt positiver Kommunikation durchgesetzt. Allerdings bestehen verschiedene Feinabstimmungen, die es dabei zu beachten gilt. Außerdem ist zwischen einem privaten und einem geschäftlichen Auftritt zu differieren. Wichtig ist, dass Sie einer anderen Person ein angenehmes Gefühl vermitteln wollen, wenn Sie dieser begegnen. Dies gilt für denjenigen, der begrüßt, ebenso wie für denjenigen, der begrüßt wird. Die Atmosphäre, die geschaffen wird, ist abhängig von beiderseitigem
Verhalten.


Begrüßung des Chefs/eines Vorgesetzten ...
Prinzipiell kann ein Chef selbst entscheiden, ob er seinen Mitarbeitern die Hand zur Begrüßung reicht oder nicht. Allerdings gilt noch immer die Grundregel, dass man eine zum Gruß ausgestreckte Hand nicht ausschlägt. Wenden Sie sich als Chef also nicht unbedingt ab, wenn Ihnen ein Mitarbeiter höflich die Hand reicht, es sei denn, Sie möchten bewusst eine Distanz aufbauen. Sind Sie derjenige, der als Ranghöherer begrüßt wird, und sind zum Zeitpunkt des Eintretens Ihres Gesprächspartners noch mit anderen Dingen beschäftigt, ist das höfliche Verweisen auf einen Stuhl in der Nähe eine freundliche Geste, um einer steifen Atmosphäre entgegen zu wirken. Auch ein sanftes Nicken kann hierbei einer ersten Begrüßung dienen.

... oder des Bewerbenden/Untergebenen im geschäftlichen Rahmen
Es ist nicht unbedingt Usus, dem Chef die Hand zu reichen, sodass Sie als Mitarbeiter gut überlegen und die Situation einschätzen sollten, bevor Sie mit ausgestreckter Hand zielstrebig auf Ihren Vorgesetzten losgehen. Dies ist übrigens auch unabhängig vom Alter. Wenn Sie als Bewerber z.B. Ende vierzig sind und der Vorgesetzte Anfang dreißig, obliegt die Entscheidung ebenfalls dem Interviewer. Hier greift kein so genanntes Altersrecht. Eine Entscheidung, ob mit ohne Handschlag begrüßt wird, lässt sich dahingehend einschätzen, dass Sie den Blickkontakt zu Ihrem Vorgesetzten suchen und sich abwartend verhalten. Auch ist es nicht selten vom Berufsfeld abhängig, ob man sich per Handschlag begrüßt. Ein Direktor einer Bank wird dies vermutlich eher erwarten als der Meister eines Garten- und Landschaftsbaubetriebs. Dies meint nichts Abwertendes, sondern ist einfach Teil von unterschiedlichen Verhaltensmustern, die sich mit der Zeit etabliert haben.

Sind Sie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, ist es an sich üblich, den Interviewer mit Handschlag zu begrüßen. Bewerben Sie sich aber als Zivildienstleistender oder Auszubildender, so ist wieder Zurückhaltung gefragt, da die Hierarchiestufen so weit auseinander liegen, dass es geschickter ist, abzuwarten, was der Interviewer initiiert oder nicht.

Händedruck, Augenkontakt und Distanzzonen                                     Grundsätzlich gibt es verschiedene Begleitmuster, die jeder bei der Begrüßung per Handschlag beachten sollte:


- Achten Sie auf die Festigkeit Ihres Händedrucks. Er sollte kraftvoll sein und nicht zu schlaff (zeugt von Unsicherheit), aber auch nicht so stark, dass Ihr Gegenüber Schmerzen empfindet (zeugt von Rücksichtslosigkeit). Handschuhe, die im Winter getragen werden, bitte bei der Begrüßung ausziehen.

- Gehen Sie mit direktem Schritt auf den zu Begrüßenden zu und blicken Sie der Person offen in die Augen. Lächeln Sie bei der Begrüßung die Person an, die vor Ihnen steht, sodass deutlich wird, dass Sie sich über die Begegnung freuen. Wer Schwierigkeiten hat, jemandem direkt in die Augen zu sehen, kann sich auch auf die Nasenwurzel des Gegenübers konzentrieren. Das Tragen einer Sonnenbrille ist bei einer Begrüßung verpönt, vor allem einer mit stark getönten Gläsern. Also unbedingt vorher abnehmen!


- Versuchen Sie, sich den Namen zu merken, wenn Sie ihn nicht vorher schon kannten. Kennen Sie den Namen des zu Begrüßenden, verwenden Sie diesen auch. Jeder hört seinen Namen gerne und verbindet positive Assoziationen damit.


- Wahren Sie unbedingt den notwendigen Abstand zu Ihrem Gegenüber. Die so genannte intime Distanz hat im Geschäftsleben nichts zu suchen und bildet ein Tabu. Die intime Distanz beträgt weniger als 50 cm und ist an sich nur im privaten Umfeld üblich. Wenn Sie Ihren Arm in einem 90°Winkel halten, entspricht dies in etwa dem Abstand, den Sie zum ausgestreckten Arm des anderen wahren sollten. Sie würden sonst einen zu intimen Raum betreten und ein Unwohlsein oder sogar Aggression wegen zu direkter Nähe auslösen. Findet eine Begrüßung also mit Handschlag statt, beträgt die persönliche Distanzzone ca. 50 cm bis einen Meter. Von einer gesellschaftlichen Distanz spricht man, wenn man sich abwartend begegnet. Hier liegen ca. zwei Meter zwischen den Beteiligten. Mehrere Meter Abstand hält man bei der öffentlichen Distanz, in der eine persönliche Begrüßung eine eher untergeordnete Rolle spielt.


Begrüßung zwischen Frau und Mann

Bis vor einiger Zeit war es üblich, dass der Mann die Frau zuerst begrüßte. Auch war es üblich, dass in sitzender Runde die Frau stets sitzen bleiben durfte, wenn sie begrüßt wurde, während die männlichen Gäste zur Begrüßung stets aufstanden. Im Zuge der Emanzipation und der gleichgeschlechtlicheren Bewertung im Berufsleben hat sich auch bei den „Benimm-Regeln“ einiges verändert. So ist es mittlerweile gang und gebe, dass unabhängig vom Geschlecht stets der Rangniedere den Ranghöheren begrüßt, der allerdings auch über die Art der Begrüßung entscheidet. Als Frau steht man heutzutage prinzipiell zur Begrüßung auf, es sei denn, die Frau ist die Ranghöchste. Eine Ausnahme besteht auch bei festlichen Geschäftsanlässen (Galas oder Empfänge) – hier darf die Dame ruhig sitzen bleiben. Befindet man sich in beengtem Raum, ist auch ein angedeutetes Aufstehen ausreichend, um unnötiges Rücken von Stühlen zu vermeiden.


Frauen bilden aber dennoch eine Sonderrolle, denn es gilt noch immer „Ladys first“. Vorsicht aber im Büro: Sind nur der Chef und die Sekretärin anwesend, muss der Chef zuerst begrüßt werden. Treffen Sie Chef und Sekretärin privat außerhalb des Büros, muss zuerst sie, dann er begrüßt werden. Wenn man auf mehr als fünf Personen oder größeren Gruppen trifft, darf ruhig der Reihe nach begrüßt werden, ganz gleich ob zuerst ein Mann oder eine Frau.

Umgang mit Kunden                                                                                            Der geschäftliche Kontakt zu Kunden bildet die gesunde Basis eines Unternehmens. Mitarbeiter müssen geschult sein, bevor man sie auf die Kunden loslassen kann. Es gilt bei der Begrüßung hier zwar auch „Der Kunde ist König“ und der Kunde hätte demnach das Recht zu entscheiden, ob er mit Handschlag begrüßen möchte oder nicht. Aber: Hier greift auch die Erfahrung des Mitarbeiters, der dafür Sorge tragen muss, dass sich der Kunde wohlfühlt. Ein Kunde neigt dazu, sich zurückhaltend zu verhalten, und zeigt sich nicht selten unsicher. Der freundliche Handschlag mit einem gefälligen Begrüßungssatz seitens des Mitarbeiters kann dabei als Eisbrecher dienen und hilft dem Kunden und damit auch dem Mitarbeiter zu einem Wohlsein bzw. erfolgreichen Kundengespräch.


Grundsätzliche Begrüßungsreihenfolge
Grundregel ist: Damen stehen vor Herren, Alt steht über Jung, verheiratet über ledig. Es gilt das Recht des Ranghöheren in der Geschäftswelt. Also wird der Hierarchie nach „unten“ begrüßt. Der Chef/Vorgesetzte/Vorstand zuerst, dann Abteilungsleiter/in, die Assistenz, Sekretärin/Sekretär. Stehen mehrere Personen gleichzeitig zur Begrüßung vor einem, die sich hierarchisch auf dem selben Level befinden, beginnt man bei den Damen. Steht man zur Begrüßung mehreren Gruppen gegenüber, beginnt man bei der Gruppe, in der sich der Ranghöchste befindet. Bei aller Norm sollte man sich aber auch nicht verrückt machen lassen. Bewahren Sie sich in jedem Fall eine natürliche offene Art und versuchen Sie, sich an die Grundregeln zu halten. Solange Sie ein freundliches Auftreten mitbringen, wird Ihnen der eine oder andere „Patzer“ sicherlich verziehen.

 



Hinweis: Die Inhalte dieser Website werden mit großer Sorgfalt erstellt. Wir übernehmen jedoch keine Gewähr für die Vollständigkeit, Aktualität und Richtigkeit der bereitgestellten Inhalte. Wir sind weder Versicherungsmakler, noch Steuerberater oder Rechtsanwalt. Diese Webseite ist kein diesbezügliches Beratungsangebot oder ersetzt ein solches! Die Nutzung der Inhalte der Website erfolgt auf eigene Gefahr. Die Inhalte der Bücher vom Verlag Interna werden mit Genehmigung der Verlag Interna GmbH Bonn hier veröffentlicht.

Aktuelles:

Checkliste Beschweren – aber richtig

Ämter, Vermieter, Krankenversicherungen oder Nachbarn bieten oft Anlass zu Ärger. Bevor es aber zu...

Kat: Privatrecht
Die Checkliste zum Erbschein

Checkliste Erbschein Ein Erbschein ist eine dem Rechtsverkehr dienende amtliche Bescheinigung, die...

Kat: Erbrecht
Fragen und Antworten zum Berliner Testament

In dem Ratgeber "Wie Sie ein Berliner Testament aufsetzen" ist die sogenannte...

Kat: Erbrecht

Mehr
Informationen

Benutzeranmeldung

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:


Kennwort vergessen?